RITZLFILM
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Videorallala

Unverdrossen und daher mit Erfolg, soweit sich das jetzt schon konstatieren lässt, hat sich der Filmund Videobereich bei der diesjährigen Photo+Adventure auch im zweiten Jahr bewährt. Das Konzept wird weiterentwickelt und ausgebaut, das Augenmerk liegt nun auf einer stärkeren Positionierung, berichtet Wolfgang Ritzberger.

Zuspruch und Zustrom waren, wie die Jahre zuvor, erfreulich groß, allerdings strömten die meisten Besucher am Samstag in die Halle B der Wiener Messe. Christoph Mann, Sigma Österreich /Julius Escher: „Der Besucheransturm war so groß, dass wir auch mit einem doppelt so großen Team vor Ort ständig beschäftigt gewesen wären.“ Das führte dazu, dass am Sonntagnachmittag, das irrationale Gefühl „Was ist jetzt los“ aufkam, dem die Zahlen eindeutig widersprechen.

Im Zentrum des Filmund Videobereiches stand wie letztes Jahr eine Bühne, die von Frédéric Kaczek unter Verwendung seines Kflect-Systems ausgeleuchtet wurde. Als Lichtquelle dienten zwei klassische Arrie Daylights, die hinter der Bühne positioniert gegen die Decke gerichtet waren. Mittels verschiedener Reflektoren war die Gesprächssituation mit allen Schikanen ins rechte Licht gesetzt: größere Reflektoren für das Hauptlicht, kleinere mit einer speziellen Struktur für die Aufhellung und ebenfalls kleinere, die aber sehr gezielt gerichtet waren, für die Spitzen auf den jeweiligen Positionen auf der Bühne. Am Stand von Kflect zeigte Frédéric Kaczek auch den von ihm entwickelten Grip. Die Gelenke, die auf den ersten Blick wie klassische magic arms aussehen, unterscheiden sich davon doch wesentlich: „Beim magic arm sind die entriegelten Gelenke in allen Richtungen beweglich, ich wollte Arretierungen, mit denen ich das Gelenk im Bedarfsfall nur in einer Achse entriegeln kann.“ Außerdem werden die Reflektoren einfach mittels Magneten auf den Grip-Armen befestigt. Klingt einfach, aber, so Kaczek: „Wir haben lange experimentiert und entwickelt, bevor sich die Gelenkarme so einfach und beweglich benützen lassen. Eines der vielen Patente meines Systems.“

Wir haben lange experimentiert und entwickelt, bevor sich die Gelenkarme so einfach und beweglich benützen lassen. Eines der vielen Patente meines Systems.

Das eingespielte Team rund um Alexander „Bobo“ Boboschewski, aac, und Peter Schröder hat mit Cinelive (www.cinelive.at) zwei Tage lang das Geschehen auf der Bühne live übertragen. Wie sich dieses Zusammenspiel aus Technik, das heute unter der Marke Cinelive bekannt geworden ist, entwickelt hat und wie sie es einsetzen, erklärten die beiden bei ihrem Auftritt auf der Bühne. Als Geburtsstunde kann Michael Niavaranis Adaption von „Richard III“ für sein Globe Theater in der Marx Halle angesehen werden. Peter Schröder: „Wir haben ihm beide Möglichkeiten gezeigt. Einmal mit klassischer Kleinelektronik, also 2/3 Zoll Chips, und einmal mit Kameras mit großen Sensoren und Kino-Optiken. Und genau das wollte er dann.“ So entstand die Aufzeichnung des sehr erfolgreichen Theaterstücks, die später auf Servus-TV ausgestrahlt wurde und auf DVD erhältlich ist. Mittlerweile sind die beiden sehr gut gebucht, immer mehr Künstler und TV-Anstalten setzen auf die Qualität, die die beiden zu liefern imstande sind. Alexander Boboschewski lapidar: „Der 35-mm-Kinolook entsteht aus der Kombination von großem Sensor und kleiner Blende. Dann wird die Schärfe, dank fehlender Tiefenschärfe, zu einem dramaturgischen Element.“ Wobei es sich leichter redet als durchführen lässt, das System, mit dem die beiden mittlerweile anrücken, ist das Ergebnis einer Entwicklung der letzten Jahre – dafür steht jetzt eine komplette Regie, die technisch so gut wie jede Auflösung und jede Kamera verarbeiten kann, selbstredend die Summe der und alle Kameras einzeln aufzeichnet und sogar ein fertiges Signal fürs Streamen anbietet, das vorgibt eine Webcam zu sein (die Voraussetzung etwa für FB oder andere Plattformen für einen Livestream).

Auch die Amateurfilmer wagten sich auf die Bühne der Profiszene, wobei sie selber lieber vom nicht kommerziellen Film sprechen. Die Amateurfilmer sind auch die einzige NichtSportorganisation, die das Recht hat, einen Staatsmeistertitel zu vergeben und, so erzählt Egon Stoiber, die Juroren müssen dafür eine Ausbildung absolvieren. Mindestens ebenso interessant dann auch die Schilderung eines eigenen Kurzfilmbewerbes, bei dem die Filme wie bei einem Turnier gegeneinander antreten. Das funktioniert so: 16 Filme werden vorausgewählt, die dann wirklich gegeneinander antreten, das heißt, das Publikum muss jeweils unter zwei Filmen wählen. Der Sieger steigt auf und tritt gegen einen anderen der Sieger an. Egon Stoiber: „Der Siegerfilm wird dann dem Publikum viermal vorgeführt. Um nach der vierten Vorführung noch zu gefallen, muss der Film schon etwas Besonderes haben.“

Othmar Eichinger, einer der erfahrensten und dienstältesten Tonmeister des Landes, der in seiner jahrzehntelangen Karriere nicht ergründen hat können, warum der Ton so unterschätzt wird, gestaltete am Sonntag einen Workshop und gab dann auch auf der Bühne seine Erfahrungen weiter: „Meistens kommen die Filmer erst nachher drauf, dass ihnen etwas fehlt, nämlich ein brauchbarer und verständlicher Ton.“ Eichinger hatte auch etliche Geräte mitgebracht, die den Einstieg erleichtern: „Es muss nicht immer das teuerste Gerät sein, fast alle Hersteller bieten Qualität auch zu einem günstigen Einstiegspreis an. Und fragen kostet nichts.“ Othmar Eichinger verkauft und vermietet eine breite Palette an Mikrofonen, Aufnahmegeräten und Zubehör in allen Preisklassen, auch zum Ausprobieren.

Canon deckte wie letztes Jahr nicht nur die komplette Bandbreite von Foto über DSLR bis Profikameras ab, sondern stellte gemeinsam mit AVISYS die Kameras für die Live-Bühne und die Touch & Try-Zone. Keigo Yoneda demonstrierte an beiden Tagen, wie entspannt man stundenlang eine Kamera mit Easyrig tragen kann. AVISYS ermöglichte unter anderem auch einen direkten Vergleich seiner Palette an Stativen.

Bei dem durchgehend von Menschentrauben umringten Stand von Julius Escher /Sigma Österreich hatte das durchaus gut aufgestellte Team keine Zeit zu verschnaufen. Der Andrang galt vorrangig den Sigma Fotound Cinemalinsen, aber auch dem Zubehör für DSLRund ActionCams von ZHIYUN, mit dem Julius Escher vor kurzem sein Portfolio erweitert hat.

Inteca, der Lichtspezialist aus Bad Abling, brachte sein komplettes Portfolio an LED-Systemscheinwerfern mit, das seit letztem Jahr einige Updates erfahren hat, und auch Neuheiten wie die SmartWing 203 (100 Watt, Bi-Color) mit neuen LED Leiterplatten, selbstauffaltendem Diffusor, Egg Crate (Richtgitter) und Taschen für Zubehör und SmartWing 206 (200 Watt BiColor) mit denselben Features. Dazu wurden diverse Zubehörpakete und die neuesten Vorschaltgeräte für die Cinetile Serie präsentiert.

Über dem Stand von AV-Professional/Teltec Österreich, der neben Kameras von Panasonic mit zahlreichen Marken aus dem Teltec-Portfolio bestückt war, hingen mächtige Drohnen. Was es damit auf sich hat und wo Drohnen eigentlich eingesetzt werden dürfen, erklärte „Jokl“ Joachim Hausleitner, der Workshops zu diesem Thema anbietet, ausführlich auf der Bühne. Ein weiterer Magnet war die Blackmagic Pocket Cinema Camera 4K am Stand von pro. media. Etas rückte die Produkte von Insta 360 in den Mittelpunkt und veranstaltete einen Flohmarkt, der täglich mehrmals nachbestückt werden musste. Zu den brandneuen Produkten zählte auch der Tango Electronic Drive für das Tango Pelicase Kit, das CaSu Granderath gemeinsam mit weiteren Produkten nach Wien gebracht hatte. Erstaussteller war Digitalstore Vienna mit Produkten von Phase One. Das Team von For Video veranschaulichte, dass Qualität beim Sichern und Sichtbarmachen alter Medien durchaus ein Kriterium ist.

Visionen für die Branche entwickelte Kurt Brazda mit der aac Future Group, die erstmals öffentlich im Rahmen der Photo+Adventure in Erscheinung getreten ist. Am Podium diskutierten, moderiert von Kurt Brazda, Carola Pizzini (Kostümbild), Bernhard Bamberger (Sound Design) und Florian Hirschmann (www.dieleinwandhelden.com), Marie-Thérèse Zumtobel und Matthias Writze (Studierendee an der Filmakademie Wien) und Maria-Anna Fuchs-Grünbühel und Maximilian Hofko (Studierende der SAE Wien). Ein Bericht dazu steht auf www.mediabiz.at bereit.

Um die Zukunft der Branche im weiteren Sinne ging es auch bei der Live-Diskussion mit Fabian Eder, aac, zum Prozesserfolg von Jost Vacano, dem Kameramann des wahrscheinlich erfolgreichsten deutschen Kinofilmes „Das Boot“ und die nicht unkomplizierten urheberrechtlichen Implikationen. Die von der Live-Bühne gesendeten Beiträge können auf der Facebook-Seite von MEDIA BIZ eingesehen werden. Eine Vorund Rückschau gibt es auf www.mediabiz.at.

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