RITZLFILM
Elisabeth Uhl
Produzentin · Herstellungsleitung

Elisabeth Uhl

Fragen Sie, wie der koreanische Schwerpunkt dieser Firma entstanden ist, und Sie hören nichts von einer Marktanalyse. Sie hören von einer Frau, deren Namen halb Korea kennt und deren Herkunft fast niemand.

Verstehen Sie Korea wirklich?

Die erste First Lady Koreas war ein Mädchen aus Inzersdorf. Franziska Donner, verheiratet mit Syngman Rhee. In Korea ist der Name bekannt — woher sie kam, deutlich weniger; manche halten sie für Australierin oder Amerikanerin. In Österreich kennt sie fast niemand.

Als Elisabeth Uhl das erfuhr, hat sie gesucht. Gefunden hat sie Soonae Lee-Fink, die in den Neunzigerjahren ein Buch über Franziska Donner-Rhee geschrieben hatte. Von da an wurde es ernst. Dazu kam eine Einladung zum Filmfestival nach Busan. Eine Geschichte, die niemand kennt, und zwei Länder, die sie beide angeht — daraus wurde HANNI, eine gleichberechtigte Koproduktion mit Seoul.

Dass sie überhaupt hingeschaut hat, hatte allerdings eine Vorgeschichte.

Angefangen hat sie mit einer Liebesgeschichte. Ein Cousin verliebte sich in Wien Hals über Kopf in eine koreanische Pianistin. Das ist dreißig Jahre her. Ab 2010 kam die Begeisterung der ältesten der drei Kinder dazu: koreanische Serien und Musik, Jahre bevor hier jemand PSY kannte. Die meisten Eltern lassen das vorübergehen. Sie hat sich dazugesetzt. Wenn ein Kind bei einer Serie hell auflacht, schaut man irgendwann selbst hin.

Aufgefallen ist ihr zuerst etwas Formales: Koreanische Filme atmen anders. Eine Pause darf stehenbleiben. Eine Szene darf dauern. Ein Gefühl wird nicht weggeschnitten, sondern ausgehalten. Dass sie darauf früh geachtet hat, kommt vom Kampfsport — wer sich damit beschäftigt, achtet auf Atem, auf Spannung und Lösung, auf den Moment vor der Bewegung. Im koreanischen Erzählen ist dieser Moment nicht die Vorbereitung. Er ist die Szene.

Und dann stellt man Fragen. Dieselben wie bei jedem historischen Stoff: Was ist wirklich passiert. Was ist der Hintergrund. Was wird gezeigt — und was soll damit gesagt werden. Bei einem koreanischen Stoff kommt eine Ebene dazu. Warum wird etwas so gesehen. Warum so gefühlt. Wo liegen die Reibungsflächen. Und diese Überhöhung, mit der dort erzählt wird: Woher kommt sie, und warum trägt sie. Sich in die Schuhe des anderen zu stellen ist dabei kein Anspruch auf Wissen. Es ist ein Versuch, niemanden aus Unwissenheit zu kränken.

Am deutlichsten sieht man das an Squid Game. Davor war Korea in Österreich ein überschaubares Thema, danach war es plötzlich überall. Und das westliche Urteil stand schnell fest: überdreht, grell, Fantasie. Wer genauer hinsieht, findet etwas anderes. Die Schulden, an denen die Figuren hängen, sind keine Erfindung. Der Streik in der Vorgeschichte der Hauptfigur hat stattgefunden. Was von hier aus wie Überhöhung aussieht, ist dort ziemlich viel Wirklichkeit — eine, die wir nicht kennen. Oder nicht mehr.

Warum dieser Stoff reist? Jane Austen. Koreanische Serien erzählen, auf ihren Kern reduziert, Austens Geschichten: dieselbe Sehnsucht nach Liebe, nach Zugehörigkeit, danach, gesehen zu werden. Mit demselben Ernst und ohne Augenzwinkern. Sie dürfen anderer Meinung sein — sie diskutiert gern.

Nicht so verstehen wie jemand, der dort aufgewachsen ist. Sie ist Europäerin und bleibt es. Sie versucht zu verstehen — das ist die ehrlichere Antwort.

Können wir Ihnen vertrauen?

Vertrauen lässt sich nicht behaupten und nicht präsentieren. Herstellen kann es nur jemand im Raum, der versteht, was gemeint war — nicht nur, was gesagt wurde. Deshalb arbeitet RitzlFilm in Seoul mit G300 Entertainment als gleichberechtigtem Partner und nicht als Dienstleister. Und deshalb gibt sie nicht vor, selbst Koreanerin zu sein.

Was Österreich und Deutschland trennt, ist die gemeinsame Sprache. Zwei Nachbarn, dieselben Wörter, und trotzdem ein Zimmer voller Missverständnisse. Wenn dort schon so viel Raum liegt — wie viel liegt dann zwischen Wien und Seoul?

Diese Distanz lässt sich nicht wegorganisieren. Wer Ihnen etwas anderes verspricht, hat nie über sie hinweg gearbeitet. Man kann nur dafür sorgen, dass sie jemandem auffällt, während sie passiert — im Termin, nicht in der Nachbesprechung.

Und Fehler passieren trotzdem. Auch wer die Regeln kennt, tritt daneben. Ein Regelwerk bildet nie die ganze Wirklichkeit ab, und mitten im Gespräch schlägt niemand nach. Der Unterschied liegt nicht darin, ob es passiert. Er liegt darin, ob es auffällt, ob man sich entschuldigt — und ob es ein zweites Mal passiert.

Was sie macht

Producerin bei Die Letzten Tage der Menschheit, Herstellungsleitung bei Die Beste aller Welten. Filmförderung, Projektfinanzierung, Verleih und Verwertung — dazu die gesamte Vermarktungsschiene, also der Teil, der darüber entscheidet, ob jemand findet, woran vier Jahre gearbeitet wurde. Sie kam über das Online-Marketing zum Film und hat es nie losgelassen.

Als Co-Autorin schreibt sie mit Wolfgang Ritzberger: HANNI, Kill Mozart, Alicia.

Aufgewachsen ist sie als Unternehmerkind. Zu Hause war eine Druckerei mit hundert Mitarbeitern — Maschinen, Termine, Löhne, und Kunden, die ihr Material am Freitag brauchen und nicht am Montag. Wer so aufwächst, hält einen Drehplan für etwas, das man einhält, und greift zu, wenn etwas liegen bleibt.

Wenn am Set ein Fahrer ausfällt, fährt sie den Lkw. Bis 3,5 Tonnen — dafür reicht der B-Schein.

Und weil es sie interessiert hat: eine Ausbildung zur Mentaltrainerin. Ein Dreh ist zu zwei Dritteln Arbeit mit Menschen unter Druck — müde, überfordert, im falschen Land, mit zu wenig Zeit. Wer das ernst nimmt, kommt weiter als mit dem besseren Drehplan.

Dazu ein Zahlenmensch: siebzehn Jahre Produktmanagement und Qualitätsaudit in einem Konzern, danach COO in einem Software-Start-up. Eine Koproduktion über zwei Kontinente scheitert selten am Kreativen — sie scheitert an Fassungen, die auseinanderlaufen, und an einem Drehplan, den es in drei zueinander unverträglichen Dateien gibt.

Kontakt

Schreiben Sie ihr wegen eines Projekts, einer Koproduktion oder der Korea-Frage: office@ritzlfilm.at. Sie antwortet selbst, auf Deutsch oder Englisch, binnen zwei Werktagen.

Zwei Auskünfte vorweg, weil sie meist zuerst kommen. HANNI steht in der Finanzierung; gedreht ist der Film noch nicht. Und wenn es um einen Dreh in Österreich geht und nicht um eine Koproduktion, steht alles Praktische auf der Seite Serviceproduktion — Rückerstattung, Schwellenwerte, Motive, und wann Österreich die falsche Wahl ist.