Anlässlich der Eröffnung der ETAS-Sphere, also des neuen „alten“ Studios im 23. Bezirk – bis vor einigen Monaten produzierte dort „Jagd und Natur TV“ eigene Sendungen – fiel eine Bemerkung in einem Nebensatz. Einige große Kunden würden für das Studio ausfallen, weil man derzeit eigene Studios für sie baue, in denen sie dann für den Hausgebrauch Videos aufnehmen würden. Wobei die Spitze der Nahrungskette dann der oberste Chef, der Vorsitzende des Vorstandes etwa, sein wird, der seine Termine nicht nach dem Terminkalender eines externen Studios oder der Verfügbarkeit von technischem Personal richten möchte, sondern umgekehrt. Und dafür kann er sich gleich sein eigenes Studio bauen, bauen lassen. Immer wenn es seine Zeit erlaubt und es die Zeit gebietet, kann er sich so an seine Mitarbeiter wenden. Möglicherweise entsteht dann rund um diese Verfügbarkeit eine kleine Mannschaft, die Videos selbst produziert und so etwas wie einen Hauskanal auf die Beine stellt.
Die Parlamentsdirektion hatte vor dem Sommer etwas Ähnliches ausgeschrieben, Dienstleistungen für eine Art Parlaments-TV, wo Sitzungen der beiden Kammern, also Nationalund Bundesrat, aber auch der Ausschüsse und sonstige Veranstaltungen aufgezeichnet, eigene Beiträge bis hin zu längeren Imagefilmen produziert werden können. Die Vergabe listete einige Erfordernisse auf, unter anderem die Firmengröße und die Kapazität. Gefragt wurde also nach einem Nachweis der Firmengröße, der in etwa durch die Zahl der sachkundigen Mitarbeiter zu belegen sei, die zum Beispiel für die Erstellung eines Beitrages notwendig seien. Das sich bewerbende Unternehmen müsse die Personalbereitstellung mindestens viermal als ständigen Personalstand nachweisen. Interessante Anforderung, die einem spontan zu dem Gedanken verführt, welcher abstrakte Theoretiker sich hier mit einem leicht absurden Verwaltungsjuristen gepaart haben dürfte. Garniert noch mit einem Hang zu extremer Auslegung der einschlägigen Gesetze hinsichtlich Ausschreibungsbedingungen. Als Zuckerguss war eine Kalkulation verlangt, in der die Anmietung eines Teams zur technischen Gestaltung eines Beitrags auf Basis eines Tages, eines halben Tages und stundenweise zu berechnen wäre. Die logische Antwort, die sich aus dem Kollektivvertrag, dessen gesetzliche Grundlage in eben diesem Parlament beschlossen wurde, ergibt, wäre erstens eine Tagesgage, zweitens eine Tagesgage und drittens, ja richtig, eine Tagesgage. Nur leider falsch, schon der ORF hat den Tag längst geteilt und bei der Ausschreibung solch lustiger Jobs steht ja die Vorstellung im Raum, dass das hier zuliefernde Unternehmen sein technisches Personal disponiert wie der Installateur seine Monteure oder die Stunden berechnet wie in einer KFZ-Werkstatt. Solche Vorstellungwelten haben bei anderen Projekten dann zur Idee geführt, Kameraleute, die im Verbund arbeiten, nur mehr geringfügig anzustellen, weil sie etwa an einer Koch-Show maximal zehn Stunden pro Woche, also einen Tag, arbeiten würden, womit wir dann pro Drehtag in etwa bei dem berühmten „Hunderter“ angelangt wären, was in „alten Francs“ mehr als die Assistentengage war, die der ORF früher für Mietteams bezahlt hat – früher, beim Film, in einem anderen Jahrhundert (konkret: z. B. 1.200 Schilling brutto für einen „Ohne Maulkorb“-Drehtag).
Stichwort ORF: Mir ist dieser Tage eine Aussendung vom Frühjahr in die Hände gefallen. Also, ich war im Theater mit Freunden aus der Filmbranche (ja, das gibt’s) und eine meinte, sie käme grad aus der Satel. Meine Frage: Freud? Antwort: Nein, der ist ja schon fertig, Soko. Woraufhin ich Freud googlete und neben der Ankündigung, dass die Serie im Frühjahr ausgestrahlt werde und man sich davon eine Verbesserung der katastrophalen Quoten erhoffe (da war, glaubt man einigen Tageszeitungen, Mitte Oktober Feuer am Dach des Küniglbergs), eben auch diese Aussendung vom Frühjahr, in der mitgeteilt wurde, dass fleißig gedreht werde, Satel und Bavaria produzieren, und dass, jetzt kommt`s, so gut wie alles in Prag gedreht werde. Warum? Weil`s billiger ist. Nona, weil deren Deutsch besser ist.
Was mich zur Conclusio dieses Beitrags führt: Wenn sich Unternehmen eigene Studios bauen, werden diese sicher keine Absolventen der Filmakademie beschäftigen, auch die Alumnis der FHs oder SAEs werden wahrscheinlich selbstbewusst mehr verlangen als eine Facharbeitergage. Wer hier unterkommen will, wird Federn lassen müssen. So wie beim Parlaments-TV, wo die als Akademiker im Bundesdienst beschäftigten Chefs das technische Personal zum Stundentarif antanzen lassen wollen. Letztlich der ORF, der schon vor Jahrzehnten Assistenten in der Verwendungsgruppe 6 zu Kameraleuten machte, aber nur, wenn sie in der „Sechser“ bleiben, sich jetzt sogar das spart und zum Nachbarn pfuschen geht. Er ist nicht der einzige. Eh nicht, aber trotzdem trägt er Steuergeld, in dem Fall des zahlenden Publikums und, wie ich annehme, einiger Förderer, ins benachbarte Ausland. Was in den Ohren der Filmschaffenden, einmal mehr, nicht ganz so gut klingt. Aber zugegeben, das ist derzeit, wenn überhaupt, das winzigste Problem von Alexander Wrabetz.