Am 20. Oktober präsentierte Conchita im Wiener Konzerthaus mit ihrer Band und den Wiener Symphonikern ihre neue CD „From Vienna with Love“. Wolfgang Ritzberger traf Guido Mancusi, der die Aufnahmen mit den Wiener Symphonikern dirigierte, zum Gespräch.
Wie sind Sie zu dem Job gekommen?
Die Wiener Symphoniker haben einen Dirigenten gesucht, der in beiden Genres tätig ist und sich auch in beiden Genres gut auskennt. Sie wollten auch einen musikalischen Leiter, der den Orchesterklang der Symphoniker klassisch, also nicht zu poppig klingen lässt. Es ist, auch aus meiner Sicht, wichtig, dass dieses Orchester innerhalb der Arrangements den ihm eigenen Wiener Klang nicht verlässt.
Als Conchita Wurst den Songcontest gewonnen hatte, waren viele Experten der Meinung, sie sei stimmlich nicht die Beste gewesen. Wo steht Thomas Neuwirth heute?
Wesentlich weiter. Ich war von seiner Stimme immer angetan und vor allem von seinem Auftreten. Den Songcontest hat er sicher zu Recht gewonnen, denn man hat damals schon seine Liebe zum Genre gehört und gespürt. Jetzt allerdings, also knapp fünf Jahre später, ist seine Stimme sehr gereift und man hat das Gefühl, mit einem amerikanischen Profi zu arbeiten. Ich bin sehr beeindruckt. Außerdem ist er ein sehr bescheidener und ständig an sich arbeitender Künstler, das spricht für ihn. Die Arbeit an der CD war hervorragend und von hoher Professionalität geprägt.
Die Wiener Symphoniker werden oft als das zweite Orchester gesehen, ein klein wenig im Schatten der Philharmoniker. Oder sehe ich das falsch?
Da tut man ihnen und den anderen Klangkörpern extrem unrecht, die Symphoniker sind nicht das zweite Orchester am Platz. Solche Nummerierungen mag ich gar nicht! Sie sind DAS Stadtorchester, das Orchester, auf das wir Wiener sehr stolz sein können. Ein ausgezeichneter Klangkörper, der durch das letzte Chefdirigat des Kollegen Jordan einen großen Sprung nach vorne gemacht hat. Die Arbeit an der CD war nicht für alle Orchestermitglieder gleich unbeschwert, aber die Profession und das professionelle Engagement dabei waren herausragend. Sehr beeindruckt bin ich vor allem von den Blechbläsern, die sich auch mit den Jazztrompeten sehr hervorgetan haben, aber das gesamte Orchester war ganz bei der Sache und hat äußerst präzise gearbeitet.
Aufgenommen wurde im legendären Studio im Konzerthaus, das schon seit einiger Zeit von Georg Burdicek wiederbelebt wird. Im Baumgartner Casino hat er jetzt ein zweites Studio. Wie sehen Sie die Zusammenarbeit mit ihm?
Georg Burdicek ist derzeit einer der hervorragendsten Tontechniker auf dem freien Markt. Die Arbeit mit ihm ist, trotz des lockeren Umganges mit den Musikern, immer sehr streng – und das ist gut so, denn Musiker tendieren zu viel Lässigkeit. Sein Tonstudio im Konzerthaus spielt alle „Stückeln“ wie man in Wien sagt, und er kennt sich im klassischen sowie in anderen Musikbereichen sehr gut aus. Leider wird so ein Talent nicht immer gleich gesehen. Bei anderen CD-Produktionen, die nicht bei ihm gemacht wurden, hört man das manchmal auch leider. Dass er jetzt auch im Casino Baumgarten aufnimmt, zeigt, dass man ihm den nötigen Respekt zollt. Dort werden größere klassische Projekte aufgenommen. Das dortige Studio ist größer, hat mehr Naturhall und bietet sich für große Orchester und große Projekte an. Als Komponist arbeite ich nur noch mit Georg Burdicek. Qualität verpflichtet eben.
Guido Mancusi, 1966 in Neapel geboren, war Sängerknabe, studierte Fagott und Gesang am Konservatorium der Stadt Wien und Komposition und Dirigieren an der Musikhochschule Wien. Nach etlichen Stationen in Österreich und Deutschland an diversen Häusern war er fünf Jahre Chefdirigent am Stadttheater Klagenfurt. In Wien übernahm er die Position des Chefdirigenten des Schönbrunn Festival Orchesters. In dieser Funktion gründete er auch die Kammeroper Schönbrunn. Zahlreiche Tourneen durch die ganze Welt festigten seinen Ruf als Dirigent, seit 2014 ist er als ständiger Gastdirigent fester Bestandteil der Wiener Volksoper, seit 2017 Principal Guest Conductor des BDZ Orchester in Budapest und seit 2018 Musikalischer Leiter der Seefestspiele Mörbisch.