Genf, 1933. Eine junge Österreicherin lernt bei der Tagung des Völkerbunds einen koreanischen Exilpolitiker kennen und folgt ihm über Wien, Moskau, Hawaii und das kriegszeitliche Amerika ins Exil — bis sie an seiner Seite zur ersten First Lady Koreas wird. Ein halbes Jahrhundert später erzählt sie einer Wiener Journalistin zum ersten Mal ihre ganze Geschichte.
Aus ihm wird später eine der umstrittensten Figuren der modernen koreanischen Geschichte. Dieser Film erzählt die fünfzehn Jahre davor. Und er erzählt sie nicht aus seiner Sicht.
Wien, 1990. Die Redakteurin Erika will ihr Feature zum Weltfrauentag um eine fast vergessene Frau ergänzen: eine Österreicherin, die zur ersten First Lady Koreas wurde. Sie reist nach Seoul und trifft die neunzigjährige Hanni Schneider-Choi, die keine Interviews gibt — bis Erika ihr ein altes Foto zurückgibt, das die beiden Jahrzehnte zuvor bei einer flüchtigen Begegnung am Wiener Flughafen verbunden hat. Bei Ginsengtee und kandierten Marillen beginnt Hanni zu erzählen.
Als Tochter einer Sodawasser-Fabrikantenfamilie nahe Wien reist Hanni Anfang der Dreißigerjahre mit ihrer Mutter nach Genf. Im überfüllten Grandhotel wird ihr der koreanische Dr. Igeon Choi an den Tisch gesetzt — ein Unabhängigkeitskämpfer, der um Aufmerksamkeit für sein von Japan besetztes Land ringt und von Agenten beschattet wird. Aus Neugier wird Nähe, aus einem Walzer im Ballsaal eine Liebe, die alle gesellschaftlichen Erwartungen sprengt.
Über Jahre halten Briefe die beiden zusammen. Igeon kommt nach Wien, hält um Hannis Hand an und gewinnt — trotz des Widerstands der Mutter — nach und nach die Familie. Hanni lässt Heimat, Schwestern und ihr altes Leben zurück und teilt fortan Igeons Weg: New York, das koreanische Gemeindeleben auf Hawaii, kärglich besuchte Vortragsreisen quer durch Nordamerika, das zunächst erfolglose Buch „Japan Inside Out“.
Im kriegszeitlichen Washington steigt Igeon zur gefragten Stimme auf — und Hanni wird von der Ehefrau zur Mitkämpferin. Sie durchschaut die Überwachung ihrer Wohnung. Sie spielt einem sowjetischen Agenten einen inszenierten Streit vor. Sie wird Teil des Plans, der Igeons Radioansprachen bis in die Mandschurei und nach Korea trägt.
1948 steigen Hanni und Igeon Hand in Hand vor jubelnden Massen auf die Bühne eines unabhängigen Korea. Zurück in der Gegenwart schließt Hanni ihre Erinnerungsschatulle: Sie sei geblieben, weil sie ihn geliebt habe — das sei alles. In der Morgendämmerung tanzt sie allein im verschneiten Hof, und noch einmal reicht ihr der junge Igeon die Hand.
Hanni ist nicht in Erinnerung geblieben, weil sie Politikerin war. Sie ist in Erinnerung geblieben, weil sie neben einem stand. Der Film erzählt, was hinter dieser Zeile liegt.
Sie ist es, die die Wanze findet. Sie ist es, die den Streit spielt. Sie ist es, die zum Teil eines Plans wird, den niemand ihr angetragen hat. Aus einer jungen Frau, die einem Mann nachgereist ist, wird eine, ohne die seine Sache nicht funktioniert — und das geschieht nicht in einer Szene, sondern über zehn Jahre.
Wien ist das Zuhause, das sie verlässt. Korea ist das Zuhause, das sie wählt, ohne dort geboren zu sein. Zwischen beiden liegt ein halbes Leben.
Der Film muss nicht entscheiden, was Igeon Choi am Ende war. Er muss verständlich machen, warum sie geblieben ist.
Eine Liebe über Kulturen und Kontinente hinweg; der Preis, den eine Frau für sie zahlt, und ihr oft übersehener Anteil an einem großen Lebenswerk. Exil, Heimat und Heimweh — verdichtet in wiederkehrenden Motiven: dem Tanz im Schnee vom ersten bis zum letzten Bild, den kandierten Marillen gegen das Heimweh, dem Sauerkraut, das Igeon an Kimchi erinnert. Und Bettys Bild vom Käse, den die Welt „nur lange genug durchgeschüttelt“ habe, bis aus zweien etwas Festes wurde.
Rahmenerzählung mit Rückblenden: Die Gegenwart in Seoul und Wien 1990 — sowie eine Begegnung 1965 — umschließt Hannis Lebensgeschichte von 1933 bis zur Staatsgründung 1948. Stationen sind Genf, Wien, Moskau, New York, Honolulu, Washington mit der US-Vortragsreise und Seoul.
Ein intimes historisches Epos mit dem Sog einer großen Liebesgeschichte. Der Maßstab ist international, die Perspektive ist privat. Politik, Exil und Geschichte umgeben Hanni — aber das Publikum erlebt sie durch eine Frau, die den Mann neben sich zu verstehen versucht und das außergewöhnliche Leben, für das die beiden sich entschieden haben.
HANNI entsteht als gleichberechtigte Koproduktion zwischen Österreich und Südkorea. RitzlFilm in Wien und G300 Entertainment in Seoul finanzieren zu gleichen Teilen, gedreht wird in beiden Ländern mit Stab aus beiden Ländern.
Korea erlangte 1945 seine Unabhängigkeit. Die erste First Lady des unabhängigen Korea war eine Österreicherin: Franziska Donner-Rhee. Sie war die erste ausländische First Lady Koreas – und bis heute die einzige. HANNI ist von ihrer Geschichte angeregt; Figuren, Namen und Handlung des Films sind frei gestaltet.