Vom technischen Genie zur Umweltverschmutzung, vom Arbeitsplatzgaranten zum Ärgernis: 104 Jahre Industriegeschichte in St. Pölten, von 1904 bis 2008. Zwei Jahre lang war Wolfgang Ritzberger mit der Kamera unterwegs, um den Geist des Werkes zu begreifen und den Konflikt um die Fabrik zu erzählen.
Ein Jahrhundert lang hat die Glanzstoff-Fabrik St. Pölten geprägt. Sie war bewunderte Ingenieurleistung, erfolgreiches Unternehmen und der wichtigste Arbeitgeber der Stadt — und sie wurde zur bekämpften Umweltbelastung, an der sich St. Pölten jahrzehntelang rieb.
Der Film porträtiert diese Geschichte von der Gründung bis in die Gegenwart: die Erfindungen, die den Betrieb weltweit an die Spitze brachten, die Produktionsabläufe, die Menschen, die dort gearbeitet haben, und den Streit, der die Stadt gespalten hat. Als Industriestandort ist die Glanzstoff heute weitgehend vergessen. Als Fabriksgelände, dessen Kern unter Denkmalschutz steht, gehört sie noch immer zu St. Pölten.
Den wehmütigen Erinnerungen steht die Glanzstoff-Gruppe gegenüber: ein moderner Industriekonzern, Marktführer, mit Standorten in Tschechien, Luxemburg, Italien und China. Und ein Befund, den vor zehn Jahren niemand geglaubt hätte — Viskose gilt heute als grünes Produkt, weil sie biologisch abbaubar ist.
Auf dem Gelände der ehemaligen Fabrik entsteht der wahrscheinlich größte neue Stadtteil der niederösterreichischen Landeshauptstadt.
Am 16. Februar 2016 wurde der Film im Cinema Paradiso in St. Pölten gezeigt, im Anschluss gab es ein Gespräch mit dem Regisseur.