Selten zuvor hat ein Marvel-Film das Publikums so gespalten wie beim neuesten Opus „Avengers: Infinity War“. VWolfgang Ritzberger war am Preview Donnerstag im Kino.
Marvels neuester Streich, die Fortsetzung von „Civil War“, sehnsüchtig erwartet, in den sozialen Netzen heiß diskutiert, kommt in die österreichischen Kinos und – irgendwie bewegt sich manchmal doch etwas in unserer Alpenrepublik – in fast jedem Kino wird eine Vorstellung in Originalfassung angeboten. Am späten Nachmittag sind in den meisten Kinos nur mehr die Sperrsitze frei. So wie „Black Panther“ aus Wakanda, der Film funktioniert. „Black Panther“ hat bis jetzt (neun Wochen im Kino) weltweit 1,3 Milliarden Dollar Box Office umgesetzt. In den USA vergleichen die Studios gerne das Startwochenende als Indikator: „Black Panther“ war mit etwas mehr als 20 Millionen Dollar in der „All-time“ Spitzengruppe, „Infinity War“ schlägt derzeit alles, alleine am Preview-Donnerstag hat der Film 39 Millionen Dollar weltweit umgesetzt. Das war das Stichwort, wir waren dabei.
Man kann über den Film sagen, was man will, es ist ein All-StarMarvel-Universum, es kracht an allen Ecken und Enden, und die Avengers und auch sonst jede Menge Superhelden bekommen gleich zu Beginn ganz kräftig eins auf den Deckel. Freund Thor muss zusehen, wie sein Bruder, der fiese Intrigant Loki, stirbt, und auch er selbst scheint in der Explosion des Raumschiffes, auf dem sich der erste Teil des Filmes einfindet, sein göttliches Leben auszuhauchen. Wären da nicht die „Guardians of the Galaxy“ … aber, halt, das soll ja keine Nacherzählung werden. Teils amüsant, teils ein wenig langweilig, raufen sich zunächst die zerstrittenen Avengers mehr oder weniger zusammen, was durch die Ankunft eines fliegenden Donuts (Originalzitat aus dem Film), dessen Besatzung die Herrschaft über die Galaxis anstrebt und aus ausgesucht bösen Finsterlingen besteht, über New York beflügelt wird. New York wird ordentlich zerdeppert, und auch in der Bleeker Street (im Stadtteil Bowery), dem Sitz des Herrn Doktor Strange, wird fest getrümmert. Zwei Stunden und 40 Minuten später ist es soweit, der Plan des Dr. Strange, der zuvor etliche Millionen Varianten der zukünftigen Ereignisse erforscht hat (Frage: Gibt es auch welche, bei denen wir gut aussteigen? Antwort: Ja, eine.), erfüllt sich auf merkwürdige Weise. Die Avengers verlieren, der Fiesling gewinnt und macht seine Ankündigung wahr: die Hälfte der Bewohner der Galaxis muss sterben, und er zieht sich zurück und genießt den Sonnenuntergang. Und bei dieser Hälfte sind auch ein Großteil der Damen und Herren Superhelden dabei und zerbröseln wie Vampire unter der Sonne. Darunter Spiderman, Black Panther und Dr. Strange – und dann, ja dann, wer rettet sich, wie werden sie alle gerettet, das wäre so, als würde Supermann (das ist der aus der DC-Welt) doch irgendwann einmal an diesem Kryponit eingehen … ja, und dann? Dann ist der Film aus.
Durch das gesamte Kino ging ein Schrei, ja ein richtiger Schrei der Empörung, auch meine 14 Jahre alte Tochter neben mir war sichtlich empört. Und alle, wirklich alle, warteten geduldig die rund fünf Minuten Abspann ab, in der Hoffnung, dass danach die Erlösung kommt. Denn mehr als „Verzeihung, aber es ging nicht anders“ von Dr. Strange erfahren wir nichts über das Warum. Dann ist der Abspann zu Ende. Im Kino ist es totenstill. Zuerst hören wir nur Verkehrslärm, dann sehen wir Samuel Jackson, man erinnere sich an „Shields“, in einem Auto in einer Großstadt, plötzlich ein Unfall – der Wagen vor ihm ein Geisterauto ohne Fahrer. Sein Beifahrer zerbröselt ebenfalls, Samuel Jackson erreicht noch kurz einen Sender, den er aktiviert, bevor auch er im Wind zerflattert. Großeinstellung, der Sender, sendend. Na bitte, wenigstens kommt Hilfe. Im nächsten Teil, der zwar schon gedreht ist, aber erst nächstes Jahr in die Kinos kommt. Das Kino, in dem wir waren, glich einem Hexenkessel, einige wollten gar nicht gehen und diskutierten empört. Und diese Diskussionen setzen sich zur Potenz im weltweiten Internetz fort.
Nachsatz: Peter Dinklage, mehrfach ausgezeichneter Schauspieler, unter anderem bekannt aus „Game of Thrones“ und von nicht gerade großer Statur, spielt den Schmied im Universum des Thors, der seines Hammers verlustig gegangen einen neuen braucht. Die Totale dieser Szene ist was für Feinschmecker, der Schmied, dargestellt von Peter Dinklage, ist viermal so groß wie Thor.
Zweiter Nachsatz: Wem der Griff nach der Herrschaft in der Galaxis ein wenig zu viel ist und viel lieber bei dem Versuch die Weltherrschaft an sich zu reißen dabei wäre, der muss bis 2020 warten. Dann kommt der neue James Bond ins Kino, wieder angeblich ein letztes Mal mit Daniel Craig als 007. Und der Film spielt diesmal definitiv nicht in Österreich.